Langzeitstillen & natürliche Kinderernährung

In diesem praxisbezogenen und wissenschaftlich gesicherten Leitfaden erfährst Du das Wichtigste über gesunde und natürliche Kinderernährung – angefangen bei der Ernährung für Eltern mit Kinderwunsch, über das Langzeitstillen bis zur optimalen Ernährung von (Klein)Kindern.

Auf die folgenden Fragen gibt’s umfassende Antworten:

  • Kinderwunsch – Wie ernähre ich mich richtig in Vorbereitung auf ein Kind?
  • Schwangerschaft – Wie stelle ich sicher, dass mein Kind im Mutterleib alle nötigen Nährstoffe erhält, um sich gesund zu entwickeln?
  • Babyalter – Was sind die Vorteile des Langzeitstillens und welche natürlichen Alternativen zur Muttermilch gibt es?
  • Kindesjahre – Wie stärke ich die Entwicklung meines Kindes (inklusive Stärkung des Immunsystems)?
  • Bonus – Wie finde ich einen Umgang mit Süssigkeiten?
Bild: Spielende Kinder
Bild: Portrait Felix Lösch - www.quicklebendig.ch

Über den Autor

Felix Lösch ist ärztlich geprüfter Gesundheitsberater GGB. Seit vielen Jahren begeistert er Menschen unabhängig von wirtschaftlichen Interessen für eine gesunde, genussvolle und vitalisierende Ernährung. Seine Ernährungstipps setzt er selbst Tag für Tag um. Dadurch kann er andere Menschen bei der praktischen Anwendung optimal unterstützen.

1. Richtige Ernährung bei Kinderwunsch

Eine entscheidende Voraussetzung für eine komplikationslose und erfüllte Schwangerschaft/Geburt ist eine möglichst konsequent umgesetzte natürliche Ernährung. Ideal wäre es, wenn die Eltern sich bereits einige Jahre vor einer Schwangerschaft „richtig“ ernähren.

Warum?

Um optimale körperliche Voraussetzungen für eine Schwangerschaft bei den Eltern zu schaffen, braucht der Organismus eine Vielzahl an biologischen Nährstoffen (Vitalstoffen). Vitalstoffe sind fett- und wasserlösliche Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme, ungesättigte Fettsäuren, Aromastoffe und Faserstoffe.

Die Gesundheit ist im Ernährungsbereich nur garantiert, wenn neben den Grundnährstoffen (Eiweisse, Kohlenhydrate, Fette) die Vitalstoffe zugeführt werden. Diese biologischen Nährstoffe sind nur in natürlichen Lebensmitteln in der richtigen Menge und im richtigen Verhältnis enthalten. Bei der industriellen Verarbeitung gehen diese Vitalstoffe verloren.

Mit einer natürlichen Ernährung wie der vitalstoffreichen Vollwerternährung stellen wir sicher, dass unser Organismus die Vitalstoffe erhält, die er für die Entstehung eines gesunden Kindes auf Seiten der Frau sowie des Mannes benötigt.

Bild: Vitalstoffreiche Vollwerternährung
Bild: Vitalstoffreiche Vollwerternährung Brot

Was ist eine vitalstoffreiche Vollwerternährung?

Der Grundgedanke ist, unsere Nahrung so natürlich, also so unverarbeitet wie möglich zu essen.

Das heisst, wir bereiten unsere Mahlzeiten aus frischen, naturbelassen Lebensmitteln zu. Wir verzichten (möglichst vollständig) auf Industriezuckerarten, Produkte aus Auszugsmehl und industriell hergestellte Fette. Stattdessen ernähren wir uns mit viel Frisch- und Rohkost, Vollkornprodukten, naturbelassenen Fetten/Ölen und kochen unsere Mahlzeiten schonend.

Das klingt nach viel Arbeit. Doch dieser Eindruck täuscht. Eine vitalstoffreiche Vollwerternährung ist nach einer anfänglichen Umstellungsphase für jedermann leicht umzusetzen. Versprochen!

Und unbestritten ist sie die beste Vorbereitung, um selbst nach jahrelangen «Ernährungsfehlern» schwanger zu werden. Sie ist die Basis für eine natürliche Kinderernährung und einen gesunden Start unserer Kinder ins Leben.

2. Bestmögliche Ernährung in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist das sich entwickelnde Kind vollkommen abhängig vom Verhalten der Mutter. So sollte in dieser Zeit auf Alkohol, Kaffee, schwarzen und grünen Tee, Nikotin, andere Drogen und diverse Medikamente verzichtet werden. Die meisten Frauen wissen das.

Bei der Wahl der «richtigen» Ernährung herrscht jedoch oft Unsicherheit.

Eine vitalstoffreiche Vollwerternährung, wie im vorigen Kapitel beschrieben, garantiert, dass Mutter und Kind mit allen lebensnotwendigen und die Gesundheit erhaltenden Stoffen versorgt werden. Sie ist somit auch während der Schwangerschaft eine optimale Ernährungsform.

Schwangeren Frauen wird oft empfohlen, «präventiv» Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Dies mit der Begründung, dass die Nahrung den erhöhten Bedarf an bestimmten Vitalstoffen wie z. B. Eisen, Folsäure oder Vitamin B12 nicht abdecken könne.

Wenn wir die vitalstoffreiche Vollwerternährung jedoch konsequent umsetzen und Lebensmittel aus biologischem Anbau beziehen, ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht nötig, ja möglicherweise sogar nachteilig.

Bild: Nahrungsergänzungsmittel Kapseln

In wissenschaftlichen Studien wurde übereinstimmend nachgewiesen, dass Nahrungsergänzungsmittel für Präventionszwecke nicht geeignet sind. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln als Ausgleich für eine ungesunde Ernährung setzt nicht an der Ursache an und vermittelt ein falsches Gefühl von Sicherheit.

Falls während der Schwangerschaft tatsächlich Symptome von Mangelerscheinungen auftreten sollten, ist es wichtig, deren Ursachen auf den Grund zu gehen. In individuellen, ärztlich diagnostizierten Einzelfällen kann es bei spürbaren Mangelerscheinungen (z. B. Abgeschlagenheit, permanenter Müdigkeit, usw.) sinnvoll sein, in Verbindung mit auffälligen Blutwerten, vorübergehend die Symptome durch die dosierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zu beheben.

Bei schwangeren Frauen, die sich vitalstoffreich vollwertig ernähren, kommt dies aber nur sehr vereinzelt vor. Auch die für eine Schwangerschaft typischen Heisshungerattacken treten nicht auf. Die natürliche Nahrung hält länger satt und verursacht keine sogenannten «Zuckerlöcher».

Fazit

Für eine optimale Ernährung während der Schwangerschaft gelten also dieselben Grundsätze einer vitalstoffreichen Vollwerternährung wie im ersten Kapitel beschrieben. 

3. Langzeitstillen und gesunde Ernährung von Babys

3.1. Nichts geht über das Stillen

Die mit Abstand beste Ernährung für einen Säugling ist und bleibt die Muttermilch. Sie ist praktisch unersetzlich.

Die Milch jedes in der freien Natur lebenden Säugetiers ist in der Zusammensetzung exakt dem Nahrungsbedarf des Jungtiers angepasst. Genauso enthält auch die Muttermilch in einzigartiger Form alle notwendigen Stoffe für das Kind. Voraussetzung für eine vollkommene Zusammensetzung der Muttermilch ist allerdings eine natürliche Ernährung der Mutter.

Sofort nach der Geburt trinkt der Säugling die wichtige Vormilch (Colostrum). Sie ist besonders eiweisshaltig und enthält unter anderem viele Abwehrstoffe in konzentrierter Form.

Bild: Langzeitstillen - Kind an der Brust

Nach einigen Tagen beginnt die allmähliche Umwandlung in die eigentliche Muttermilch. Sie hat einen etwas geringeren Eiweissgehalt, dafür mehr Milchzucker als die Vormilch. Die Muttermilch enthält Eiweiss, Fett, Kohlenhydrate und Vitalstoffe, die in Menge und Zusammensetzung dem individuellen Nahrungsbedarf des Säuglings angepasst sind. Ausserdem enthält sie Schutzstoffe, die den Säugling gegen Infektionen widerstandsfähig machen. Sie schützt das Kleinkind vor Krankheiten wie Durchfall, Mangelernährung und Infekten. Solche Krankheiten treten bei einer künstlichen Ernährung verstärkt auf. Dies wurde in einer im Januar 2021 veröffentlichten Studie der Universität Birmingham eindeutig bestätigt.

Die Nahrungsmittelindustrie hat in den vergangenen Jahren viel getan, um die Vorteile einer künstlichen Säuglingsnahrung gegenüber Muttermilch hervorzuheben. Jedes Kind, das nicht künstlich ernährt wird, bedeutet für die Nahrungsmittelindustrie genau eins: Umsatzschmälerung auf Jahre im Voraus. Deshalb werden der Muttermilch selbst von offiziellen Instituten schädliche Inhaltsstoffe zugeschrieben. Diese sind tatsächlich nachweisbar. Aber statt gegen die Ursachen anzugehen – die Verunreinigung der Luft, des Bodens, des Wassers und die Giftstoffe in der allgemeinen Nahrung, die die werdende und stillende Mutter zu sich nimmt -, wird das ursprünglichste Lebensmittel als schädlich verrufen.

Es wird verschwiegen, dass durch die Umweltvergiftung die von der Industrie beworbene Nahrung genauso belastet ist. So konnten beispielsweise bei einer von Foodwatch im Jahr 2019 durchgeführten Untersuchung in Produkten von Nestlé und Novalac Rückstände der potenziell krebserregenden Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen werden. 

Tabelle: Mineralöle in Säuglingsmilch
Mineralöle in Säuglingsmilch, Quelle: Foodwatch

Natürlich kann die Mutter auf die Qualität der Muttermilch positiven Einfluss nehmen. Dies indem sie sich vitalstoffreich vollwertig ernährt und Lebensmittel aus biologischem Anbau bevorzugt.

Bei der künstlichen Säuglingsnahrung (z. B. Pulvermilch) handelt es sich um Präparate. Definition Präparate: chemisch oder physikalisch haltbar gemachte Nahrungsmittel, die kaum noch Vitalstoffe enthalten.

Gerade Säuglinge, die eine besonders vollwertige Ernährung aus natürlichen Lebensmitteln nötig hätten, werden oft mit diesen Präparaten aufgezogen. Es ist nicht erstaunlich, dass sich so viele Eltern Sorgen um den Gesundheitszustand ihrer Kinder machen müssen. Denn gerade in den ersten Lebensjahren sind die Aufbaustoffe besonders nötig. Vielfach machen sich die Folgen ihres Fehlens aber erst im späteren Leben bemerkbar.

Bild: Künstlichen Säuglingsnahrung

Es mag manchmal unbequem erscheinen, Tag und Nacht für unsere Kinder da zu sein und sie zu stillen. Die fertig vorbereitete Flasche kann dagegen auch einer anderen Person in die Hand gedrückt werden. Doch ist das ein hieb- und stichfestes Argument gegen das Stillen?

Das Stillen ist einfach, günstig, sauber und bequem. Muttermilch ist gebrauchsfertig, bekömmlich, stets frisch und hat immer die richtige Temperatur. Und wie oben erwähnt ist sie voller wichtiger Vitalstoffe. Hier eine Auflistung: 

Inhaltsstoffe Muttermilch, Quelle: DocMedicus Gesundheitslexikon

Eine Flasche kann die Nähe und Geborgenheit der Mutter niemals ersetzen.

Es sei hier am Rande erwähnt, dass der Gynäkologe und Geburtshelfer Dr. med. Mehdi Djalali nach über 40-jähriger Tätigkeit und der Begleitung von mehr als 10’000 Geburten der festen Überzeugung ist: «Das Stillen dient maximal zu 15% der Nahrungsaufnahme. In den restlichen 85% befriedigt das Baby andere Bedürfnisse an der Brust, wie das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit, Sicherheit, Wärme, Trost und Schmerzlinderung.»

Stillen ist also so viel mehr als nur Nahrungsaufnahme, was die Bedeutsamkeit des kompromisslosen Stillens am Lebensanfang eines jeden Kindes noch verdeutlicht.

3.2. Langzeitstillen

Auf die Frage, wie lange und wie oft ein Kind gestillt werden sollte, lautet die kurze Antwort: so lange, wie es möchte und so oft wie es möchte. Ein Brustkind kann mit Muttermilch niemals überfüttert werden. Natürlich ist die bedingungslose Bereitschaft der Mutter für ein solch uneingeschränktes Stillen ganz nach den Bedürfnissen des Kindes zwingende Voraussetzung. Mehr Infos zum Thema Langzeitstillen findest Du im Buch «Glückskinder».

3.3. Wenn nicht stillen, was dann?

Es ist immer nachteilig, ein Neugeborenes nicht zu stillen. Die Flaschennahrung ist ein ungenügender Ersatz der Muttermilch.

Auch gibt es keine einzige Erkrankung der Mutter, bei der das Stillen unterbleiben muss. Sollte eine aussergewöhnlich schwere Krankheit auftreten, regelt die Natur die Vorgänge – die Muttermilch versiegt. Solange jedoch Milch vorhanden ist, sollte die Brust angeboten werden.

Als Ersatz für die Muttermilch kommt nur eine möglichst natürliche Kinderernährung in Frage. Die für unsere Gesundheit und in besonderem Masse für die Gesundheit des Neugeborenen benötigten Vitalstoffe finden wir nur in lebendiger Nahrung.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wenn nicht gestillt werden kann.

3.4. Natürliche Alternative 1 - Frischkornmilch

Für die Frischkornmilch werden idealerweise nicht erhitzte Lebensmittel (Rohkost-Qualität) verwendet, da durch das Erhitzen und Kochen einige Vitalstoffe ihre Wirksamkeit verlieren.

Die Muttermilch wird vom Säugling roh getrunken. So sollte auch die Kuhmilch in der Frischkornmilch nicht erhitzt werden. Beim Erhitzen der Rohmilch wird das hochwertige, native Eiweiss denaturiert.

Die Rohmilch kann direkt von Biobauernhöfen bezogen werden. Bei den heutigen hygienischen Standards ist das Risiko verschwindend gering, dass über die Rohmilch Krankheiten auf den Säugling übertragen werden.

Steht keine Rohmilch zur Verfügung, muss zwangsläufig auf pasteurisierte Milch zurückgegriffen werden. Sie ist zwar nicht besonders empfehlenswert, jedoch der UHT-Milch oder dem Milchpulver vorzuziehen.

Rezept Frischkornmilch:

Frischkornmilch

Eine natürliche Alternative zur Muttermilch.
Vorbereitungszeit6 Stdn.
Zubereitungszeit5 Min.
Arbeitszeit6 Stdn. 5 Min.
Kategorie: Babynahrung
Land & Region: Schweiz
Portionen: 5 Portionen à 120 g
Kalorien: 1kcal
Autor: Quicklebendig - Felix Lösch

Zutaten

  • 100 g Weizen,- Dinkel,- Roggen,- Einkorn- oder Emmermehl aus keimfähigen Bio-Getreide frisch gemahlen
  • 200 g Wasser
  • 300 g Rohmilch Bio

Zubereitung

  • Das Getreide unmittelbar vor der Zubereitung sehr fein mahlen und mit der angegebenen Wassermenge 5-8 Stunden (über Nacht) bei Zimmertemperatur in einer Glas- oder Porzellanschüssel einweichen. Die Schüssel sollte ausschliesslich für die Säuglingsnahrung benutzt werden.  
  • Nach der Quellzeit wird der Getreidebrei mit 300 g Rohmilch im Mixer kurz vermischt und in eine Saugflasche gefüllt.
  • Eventuell kann eine Messerspitze Honig beigemischt werden.
  • Wird am Abend die Gesamtmenge für 5 Tagesportionen gemahlen und eingeweicht, kann morgens ein Teil (ca. 120 g) für eine Flasche abgenommen und der Rest für die nächsten Mahlzeiten in den Kühlschrank gestellt werden. Oder alle Mahlzeiten werden morgens auf einmal zubereitet und dann ebenfalls im Kühlschrank verwahrt. 
  • Die Flasche mit einer Portion (ca. 120 g) im Wasserbad auf Trinktemperatur erwärmen.

Anmerkung

Für die Zubereitung der Nahrung sollten alle Geräte sehr sauber sein.
Sollte die Getreidemühle das Korn nicht fein genug mahlen, kann die trinkfertige Flüssigkeit durch ein Haarsieb passiert werden.
Die Kalorienangabe in diesem Rezept ist nicht real, da im Rahmen einer vitalstoffreichen Vollwerternährung keine Kalorien gezählt werden. Die Nahrung wird nicht nach ihrer Quantität (Kalorien) sondern nach ihrer Qualität (Vorhandensein biologischer Wirkstoffe, also Vitalstoffe) bewertet. Der Leitsatz von Prof. Kollath dazu lautet: "Lasst die Nahrung so natürlich wie möglich."

Während des Fütterns wird die Flasche hin und wieder kräftig geschüttelt, da sich das Getreide leicht am Flaschenboden absetzt. Der übriggebliebene Rest wird nicht bei der nächsten Mahlzeit wieder aufgewärmt, sondern entsorgt oder für eine Erwachsenenmahlzeit verwendet.

Genau wie beim Stillen sollte das Kind von der Frischkornmilch so viel trinken, wie es mag und nicht so viel, wie die Mutter nach Vorgaben erwartet. Ein Säugling trinkt nicht immer die gleichen Mengen und hat, wie ein Erwachsener, mal weniger und mal mehr Appetit.

Bei der Umstellung von üblichen Säuglingsmilchpräparaten auf Frischkornmilch passt sich der Darm nach wenigen Tagen (maximal 14 Tagen) an die geänderte Ernährungsform an.

Icon: Industriezucker

Bei Verwendung von Vollgetreide (Frischkornmilch) ist eine strikte Enthaltung von allen Industriezuckerarten und Auszugsmehlen unerlässlich. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist Frischkornmilch (nach dem Stillen) die beste Prävention gegen Blähungen, Durchfälle, Hautausschläge, allergische Erscheinungen und Infekte.

Icon: Auszugsmehl

Ärzte und auch andere «Fachpersonen» sind in Ernährungsfragen mitunter leider unzureichend ausgebildet. So gibt es Fachpersonen, die vor der Frischkornmilch warnen. Dadurch werden Eltern verunsichert. Deshalb sei hier explizit betont, dass die Frischkornmilch kein Experiment bedeutet, sondern eine vollwertige Säuglingsernährung darstellt.

3.5. Natürliche Alternative 2 - Frischkornmandelmilch

Bei schlechter Verträglichkeit von Kuhmilch kann diese mit Mandelmilch ersetzt werden. Natürlich bereiten wir auch die Mandelmilch frisch zu.

Rezept Frischkornmandelmilch:

Frischkorn-Mandelmilch

Eine vegane Alternative zur Muttermilch.
Vorbereitungszeit6 Stdn.
Zubereitungszeit10 Min.
Kategorie: Babynahrung
Land & Region: Schweiz
Portionen: 5 Portionen à 120 g
Kalorien: 1kcal
Autor: Quicklebendig - Felix Lösch

Zutaten

  • 100 g Weizen,- Dinkel,- Roggen,- Einkorn- oder Emmermehl aus keimfähigen Bio-Getreide frisch gemahlen
  • 200 g Wasser
  • 300 g Mandelmilch frisch zubereitet

Zubereitung

  • Das Getreide unmittelbar vor der Zubereitung sehr fein mahlen und mit der angegebenen Wassermenge 5-8 Stunden (über Nacht) bei Zimmertemperatur in einer Glas- oder Porzellanschüssel einweichen. Die Schüssel sollte ausschliesslich für die Säuglingsnahrung benutzt werden. 
  • Die Mandelmilch frisch zubereiten. Dazu werden 30 g rohes Mandelmus mit 270 g Wasser im Mixer für 1 Minute gemischt.
  • Das eingelegte Getreide nach der Quellzeit hinzugeben und nochmals mischen.
  • Die Mandelmilch im Kühlschrank kalt stellen.
  • Für jede Mahlzeit eine Portion (ca. 120 g) in die Flasche füllen und im Wasserbad auf Trinktemperatur erwärmen.

Anmerkung

Für die Zubereitung der Nahrung sollten alle Geräte sehr sauber sein.
Sollte die Getreidemühle das Korn nicht fein genug mahlen, kann die trinkfertige Flüssigkeit durch ein Haarsieb passiert werden.
Die Kalorienangabe in diesem Rezept ist nicht real, da im Rahmen einer vitalstoffreichen Vollwerternährung keine Kalorien gezählt werden. Die Nahrung wird nicht nach ihrer Quantität (Kalorien) sondern nach ihrer Qualität (Vorhandensein biologischer Wirkstoffe, also Vitalstoffe) bewertet. Der Leitsatz von Prof. Kollath dazu lautet: "Lasst die Nahrung so natürlich wie möglich."

Beide Zubereitungsformen – Frischkornmilch und Frischkornmandelmilch – sind lediglich Überbrückungsnahrungsmittel für wenige Wochen, wenn nicht gestillt werden kann.

Zur Kuhmilch ist noch zu sagen, dass viele Kinder auf das artfremde Eiweiss der Kuhmilch mit Erkrankungen wie z. B. Hautauschlägen reagieren. Schon deshalb ist der Ersatz der Muttermilch durch Kuhmilch keine ideale Lösung, sondern eben eine Notlösung.

Fazit

Es gibt keine bessere Ernährungsform für ein Baby als das Stillen. Dem Kind werden mit der Muttermilch optimale Abwehrstoffe angeboten, die es von klein auf stabilisieren und ihm helfen, mit Umweltbelastungen besser fertig zu werden – ganz abgesehen von all den anderen erwähnten Bedürfnissen, die durch das Stillen befriedigt werden und dem Baby ein glückliches Leben ermöglichen.

Die Frischkornmilch und die Frischkornmandelmilch können als natürliche Alternativen zur Überbrückung in den ersten Wochen genutzt werden. 

3.6. Übergang zur festen Nahrung

Gemäss Dr. Djalali ist der Übergang von der Muttermilch zur festen Nahrung bei einem Baby ein überaus wichtigerund hochsensibler Prozess. In diesen Übergang sollten wir so wenig wie möglich eingreifen.

Die meisten Eltern denken, es sei ganz normal, dem Baby nach ein paar Monaten Babybrei zu verfüttern. Wie sonst kann es genügend und das richtige zu essen bekommen?

Bild: Babybrei - Kleinkind wird gefüttert

Ein Kind sollte jedoch ganz alleine entscheiden dürfen, wann es für diesen Übergang bereit ist und wie es den Prozess angehen möchte. Wenn wir unseren Kindern diese Entscheidungsfähigkeit von Anfang an zusprechen, sind sie durchaus in der Lage, die Verantwortung dafür zu übernehmen. 

Es gibt keine einheitlichen Regeln dafür, wann ein Baby soweit ist, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Deshalb ist es abwegig, dem Baby ab einem bestimmten Alter Babybrei zu geben. Erstens kann es dadurch den Zeitpunkt nicht selbst bestimmen und zweitens kann es nicht selbst entscheiden, wie es diesen sensiblen Prozess gestaltet. Also: wann, wie oft, wie viel und wie es essen möchte.

Dr. Djalali weist darauf hin, dass beim elterlichen Eingriff in diesen Prozess eine natürliche Barriere durchbrochen wird, die danach für immer zerstört ist. Für ihn liegt darin eine der Hauptursachen für spätere Essstörungen.

Wichtig ist auch zu verstehen, dass es sich bei diesem Übergang ähnlich wie beim Laufen lernen nicht um einen linearen Prozess handelt. Es kann sein, dass das Kind anfängt, etwas zu essen und dann die nächsten Wochen wieder gar kein Interesse am Essen zeigt. Dieser Übergang kann viele Monate oder gar Jahre dauern, wenn wir nicht eingreifen.

Eine zwingende Voraussetzung ist natürlich, dass die Mutter dazu bereit ist, das Baby stillen zu lassen, so lange es will, wann immer es will und so viel es will. Nur so kann es in aller Ruhe und ganz nach seinem Tempo diesen Übergang zur festen Nahrung vollziehen.

Wie kann dieser Übergang vom Stillen zur festen Nahrung in der Praxis aussehen?

Es ist eigentlich ganz einfach. Wir bieten dem Kind die Nahrung an, wenn es Interesse daran entwickelt. Dies ist meist ab einem Alter von acht oder neun Monaten der Fall.

Anbieten heisst, dass wir dem Kind von den Lebensmitteln, die wir auch essen, bei unseren Mahlzeiten etwas auf einen kleinen Teller legen. Das Kind entscheidet selbst, ob und wie viel es davon nehmen möchte. Wir füttern das Baby also nicht und geben ihm auch nichts in die Hand.

Wenn die Eltern sich vitalstoffreich vollwertig ernähren, müssen sie sich keinerlei Gedanken machen über die Zusammensetzung der Nahrung für das Kind. Es braucht keine spezielle Nahrungszubereitung und das Baby kann von allem probieren, was auf den Tisch kommt.

Für das Trinken gelten dieselben Grundsätze. Sobald sich das Kind für Wasser zu interessieren beginnt, stellen wir ihm ein Glas mit Wasser hin. Es wird sehr schnell lernen, selbstständig aus dem Glas zu trinken.

Bild: Übergang zur festen Nahrung

Fazit

Eltern, die ihrem Kind die Möglichkeit geben, den Übergang zur festen Nahrung selbstbestimmt zu durchlaufen, müssen dazu bereit sein, sehr viel Vertrauen und Geduld aufzubringen. Das Resultat sind Kinder, die ein gesundes und selbstbestimmtes Essverhalten entwickeln, das ihnen ein Leben lang zugutekommt.

Falls ein uneingeschränktes Stillen des Babys nicht möglich sein sollte, muss zugefüttert werden. Dies sollte mit der hochwertigsten Nahrung getan werden: mit unerhitzter Frischkost.

4. Gesunde und natürliche Kinderernährung

Wie sieht eine natürliche Kinderernährung aus, wenn das Kind nun selbständig seine Mahlzeiten zu sich nimmt und das Stillen nicht mehr primär der Nahrungsaufnahme dient (je nach Stillintensität ab zwei bis drei Jahren)?

Bild: Vitalstoffreiche Vollwerternährung - Hirse

Die Antwort ist wieder sehr einfach: das Kind isst weiterhin alles mit, was bei einer vitalstoffreichen Vollwertkost auf den Tisch kommt. Es braucht keine spezielle Essenszubereitung oder mehr oder weniger von bestimmten Nahrungsmitteln, «nur» weil es ein Kind ist. Eine natürliche Kinderernährung wie die vitalstoffreiche Vollwerternährung enthält alle biologischen Wirkstoffe, die das Kind für ein gesundes Wachstum braucht.

Genau wie wir Erwachsenen haben auch Kinder Gerichte, die sie lieber und weniger gern mögen. Es ist sehr wichtig, dies zu respektieren. Wir wollen das Kind nicht überreden oder gar zwingen, bestimmte Nahrungsmittel zu essen. Dasselbe gilt für die Essensmenge. Allein das Kind weiss, wann es Hunger hat und wie viel es zu essen braucht. Es kann dafür die Verantwortung übernehmen.

Achtung: Dieser Ansatz ist ausschliesslich mit natürlichen Lebensmitteln möglich. Industriell verarbeitete Nahrungsmittel erzeugen ein künstliches Verlangen. Dadurch verlieren die Kinder ihr Gefühl dafür, sich beim Essen ganz nach ihrem natürlichen Bedürfnis zu richten.

Die Aufgabe der Eltern ist es, eine bunte Vielfalt von Gerichten aus natürlichen Lebensmitteln frisch zubereitet anzubieten. Dafür hält die vitalstoffreiche Vollwerternährung unzählige Möglichkeiten bereit und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Praxistipps für eine natürliche Kinderernährung

Viele Eltern berichten, ihre Kinder mögen keinen Salat. Wenn man ihnen jedoch das rohe Gemüse ohne Salatsauce und nicht zu klein geschnitten anbietet, essen die Kinder es sehr gern. Dafür können zum Beispiel verschiedene Gemüsesorten und Früchte auf kleine Spiesse gesteckt werden. Oder das Gemüse und die Früchte werden zu interessanten Formen geschnitten (zum Beispiel Tierformen). Dazu kann ein Dip serviert werden.

Bild: Natürliche Kinderernährung - Gemüse auf Spiessen

Ebenso kann das frisch geschrotete Birchermüesli, welches bei der vitalstoffreichen Vollwerternährung eine wichtige Stellung einnimmt, auf viele verschiedene Arten zubereitet werden.

Noch einmal eine Anmerkung zur Kuhmilch: nach wie vor macht die Milch bei vielen Kindern einen wichtigen Anteil der Ernährung aus. Kinder aber, die komplett ohne Kuhmilch aufwachsen, sind gesünder. Ein Blick ins Tierreich lässt deutlich werden warum. Der Mensch gehört in die Gruppe der Säuger. Aber kein im Freien lebendes Säugetier trinkt nach der Säuglingszeit noch Milch, schon gar nicht solche einer anderen Art. Wenn das Stillen aufgehört hat, fressen die Tiere das, was die Natur für sie als Nahrung bereitstellt. Dasselbe gilt für das Menschenkind. Die Kuhmilch kann also in der Ernährung eines Kindes ersatzlos gestrichen werden. Zu der falschen Vorstellung, der Mensch brauche zur Deckung seines Eiweissbedarfs tierisches Eiweiss, sei auf den Beitrag «natives Eiweiss» verwiesen.

Achtung: ersatzlos heisst, dass auch nicht auf die mittlerweile weit verbreiteten pflanzlichen Milchsorten (Reismilch, Sojamilch, Hafermilch, etc.) zurückgegriffen wird. Dabei handelt es sich um Präparate, die kaum noch Vitalstoffe enthalten und der Gesundheit eher schaden.

Fazit

Die Erfahrung zeigt, dass Kinder, welche mit der vitalstoffreichen Vollwerternährung aufwachsen, diese Ernährung lieben und sie voller Genuss verspeisen. Diese Kinder sind von Anfang an natürliche Lebensmittel gewöhnt. Sie merken sofort den geschmacklichen Unterschied zu künstlichen Nahrungsmitteln und lehnen diese häufig ab.

Aber auch bei Kindern, die sich nicht von Beginn an vitalstoffreich vollwertig ernähren, ist eine Umstellung möglich.

5. Umgang mit Süssigkeiten

Gespräche mit Eltern zeigen immer wieder, dass Süssigkeiten bei der Ernährung des Kindes oft ein schwieriges und mit viel Unsicherheit verbundenes Thema sind. Braucht ein Kind Süssigkeiten? Wenn ja, wie viel? Ist Zucker gleich Zucker? Welche gesunden Alternativen gibt es?

5.1. Zum Begriff Zucker

Industriezucker und natürlicher Zucker müssen grundsätzlich unterschieden werden. Industriezucker wird aus zuckerhaltigen Lebensmitteln durch Raffinationsprozesse industriell hergestellt. Er ist ein reines isoliertes Konzentrat fast frei von Vitalstoffen. Als Industriezucker bezeichnet man den gewöhnlichen weissen Kristallzucker. Aber auch brauner Zucker, Rohrohrzucker, Birkenzucker, Kokosblütenzucker, Argavendicksaft und Dattelsirup sind Industriezuckerarten. Natürlicher Zucker ist in Form von Stärke, Rohrzucker, Fruchtzucker und Traubenzucker in natürlichen Lebensmitteln enthalten.

Bild: Natürlicher Zucker - Äpfel

Verständlicher wird dies am Beispiel eines Apfels:

Ein Apfel enthält neben anderen Zuckerstoffen auch Fruchtzucker. Essen wir einen ganzen Apfel, hat der darin enthaltene Fruchtzucker keine schädliche Wirkung auf unseren Organismus. Denn der Apfel enthält alle nötigen Vitalstoffe, um den Fruchtzucker rückstandslos im Körper zu verarbeiten.

Essen wir hingegen Fruchtzucker, der aus einem Apfel (oder einem anderen Lebensmittel) industriell isoliert (herausgelöst) wurde, so handelt es sich um Industriezucker. Diesem Industriezucker fehlen die Vitalstoffe und er schädigt unseren Organismus.

Es ist somit ein erheblicher Unterschied in der Wirkung auf unseren Organismus, ob wir Industriezucker zu uns nehmen oder naturbelassene Lebensmittel, die natürlichen Zucker enthalten.

Bei Kindern können wir leicht beobachten, wie Industriezucker als Suchtmittel wirkt. Je mehr er verzehrt wird, um so heftiger wird das Verlangen nach ihm. Dieses Verlangen nach Süssem wird häufig falsch interpretiert. Wir nehmen an, dass es sich um ein natürliches Bedürfnis der Kinder nach Zucker handle. Woraus der ebenso falsche Schluss gezogen wird, dass man den Kindern Süsses geben soll. Doch diese Annahme ist falsch. Das Verlangen nach Süssigkeiten ist bereits ein Symptom, dass dem Kind etwas fehlt: allerdings fehlt nicht Industriezucker, sondern die biologischen Wirkstoffe.

Wir können dies mit einem einwöchigen Experiment selbst nachweisen. Anstatt der üblichen mit Industriezucker gesüssten Nahrungsmittel geben wir unseren Kindern süsse Früchte. Wir bieten ihnen Vollkornprodukte und ausreichend Frischkost an. Es wird nur wenige Tage dauern, bis das Verlangen nach Süssem drastisch nachlässt.

Industriezucker erzeugt eine echte Sucht, wodurch seine gefährliche Sonderstellung unter den „Nährstoffen“ besonders deutlich wird.

5.2. Alternativen für Industriezucker

Die beste Alternative sind frische Früchte. Sie stillen oft bereits das Bedürfnis nach Süssem. Die zweitbeste Wahl sind getrocknete Früchte wie Feigen, Datteln, Rosinen oder Aprikosen. Sie eignen sich nicht nur als Snack, sondern auch zur Herstellung von feinen Desserts. Eine weitere Alternative ist (möglichst biologisch erzeugter) Honig. Honig enthält alle Vitalstoffe, die der Organismus braucht, um die darin vorhandenen natürlichen Zuckerstoffe zu verarbeiten. Honig sollte nur gelegentlich und in moderaten Mengen verzehrt werden, da er Karies verursachen kann.

Die meisten im Laden erhältlichen süssen Produkte wie Schokolade, Riegel, Glacé, Kuchen, Torten oder Guetsli können wir mit natürlichen Zutaten und etwas Phantasie selbst leicht herstellen.

Wenn wir wissen, welch schädigende Wirkung der Industriezucker auf die Gesundheit unserer Kinder hat, nehmen wir dann den Aufwand der Selbstherstellung nicht gern in Kauf? Dazu kommt, dass Kinder unheimlich viel Spass daran haben, bei der Zubereitung mitzuhelfen. Der selbstgemachte süsse Zvieri oder Dessert schmeckt dann umso leckerer.

Fazit

Kinder, die ohne Industriezucker aufwachsen, leiden nicht an sogenannten Zuckerstürzen/ Zuckertiefs/ Zuckerlöchern und sie haben auch nicht dauernd Hunger. Die vitalstoffreiche und natürliche Kinderernährung sorgt dafür, dass das Kind nach einer Mahlzeit satt ist und das Sättigungsgefühl bis zur nächsten Hauptmahlzeit anhält. Diese Kinder sind über den Tag hinweg sehr ausgeglichen und können sich über Stunden in ihr Tun vertiefen.

Im Rahmen einer vitalstoffreichen Vollwerternährung ist durchaus Platz für Süssigkeiten, die jedoch mit natürlichen Lebensmitteln statt mit Industriezucker gesüsst werden. So verbinden wir Genuss mit gesunder Ernährung – win, win 🙂.

Quellen: 
– Dr. med. M. O. Bruker, I. Gutjahr: Biologischer Ratgeber für Mutter und Kind, Ernährung, Stillen, Impfungen, Kinderkrankheiten
– Dr. med. M. O. Bruker: Die Ernährung des Kindes (Kleinschrift Nr. 31)
– Kathrin Lösch: Glückskinder, Friedlichkeit beginnt im Mutterleib